Assoziierte Anfälle

Beim Lennox-Gastaut-Syndrom treten viele verschiedene Anfallsformen gemischt auf. Das unterscheidet diese Erkrankung von anderen epileptischen Erkrankungen. Im Verlauf der Erkrankung kann es auch Phasen geben, in denen nur wenige Anfälle und wenig verschiedene Anfallsformen auftreten.

 

Am häufigsten (bei bis zu 90% der Kinder) sind tonische Anfälle. Bis zu 50% der Kinder haben atonische Anfälle. Atypische (ungewöhnliche) Absencen sind manchmal nur schwer zu erkennen. Alle Anfallstypen können mit Stürzen verbunden sein.

 

Direkt vor den Anfällen kann es zu Schreien oder plötzlichen Kopfwendungen oder anderen Bewegungen wie der Streckung eines Arms kommen. Auch myoklonische Anfälle mit kurzen Muskelzuckungen sind bei einigen Betroffenen möglich. Hierbei kontrahieren die Muskeln plötzlich, so dass z. B. ein Trinkbecher zur Seite geschleudert wird oder es im Gesicht, Armen oder Beinen kurz „zuckt”.

 

Bei mehr als jedem zweiten Kind können die Anfälle auch bis zu Stunden oder gar Tagen anhalten. Die Betroffenen sind in dieser Zeit desorientiert, fast ununterbrochen nicht oder wenig ansprechbar und können wie in Trance erscheinen (verwirrt, apathisch, keine Reaktionen). Dabei kann die Bewusstseinstrübung unterschiedliche Tiefe haben. Man spricht hierbei von einem nicht-konvulsiven Status epilepticus oder Umdämmerungsstatus. Dieser Zustand eines nicht-konvulsiven Status epilepticus ist zwar für Familienangehörige und Pflegende sehr erschreckend, bessert sich beim Lennox-Gastaut-Syndrom aber in der Regel von selbst wieder. Dieser Zustand sollte bereits im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt sorgfältig diskutiert und ein genauer Handlungsplan ausgearbeitet werden.

Häufig vorkommende Anfälle

Anfallsform
(Dauer)

Symptome/Beschwerden

Tonische Anfälle
(Wenige Sekunden bis eine Minute)

  • Treten vorrangig im Schlaf auf
  • Teile des Köpers wie Nacken- oder Armmuskulatur oder auch der ganze Körper werden plötzlich angespannt, wobei es nicht zu Zuckungen kommt.
  • Meist mit gleichzeitigem Bewusstseinsverlust
  • Beginn mit einem Schrei oder Stöhnen möglich, durch das die Kinder geweckt werden.
  • Augen können kurz krampfhaft geöffnet sein.
  • Sind die Beine z. B. beim Stehen betroffen, kann es zu plötzlichen Stürzen (ohne Abstützen) kommen, weshalb viele Betroffene Schutzhelme tragen müssen.

Atonische Anfälle
(Weniger als 1 Sekunde)

  • Plötzliche Muskelerschlaffung und Fallneigung; Kopf kippt nach vorne oder Beine knicken ein.
  • Bewusstseinsverlust kann so kurz sein, dass Sturz noch vermieden werden kann
  • Vorsicht: Verletzungsgefahr

Atypische Absencen
(5 bis 30 Sekunden)

  • Auftreten oft nach dem Aufwachen oder in Müdigkeitsphasen
  • Kurzes Innehalten mit starrem Blick
  • Beginn und Ende meist nicht sicher zu bestimmen
  • Reaktionsvermögen vermindert, aber nicht unbedingt völlig aufgehoben
  • Bewegung ähnlich wie bei Schlafwandlern

Generalisierte tonisch-klonische Anfälle („Grand-mal-Anfälle“)
(20 bis 30 Sekunden Muskelanspannung, dann bis zu einer Minute Zuckungen (manchmal auch länger)

  • Häufig zu Beginn eines LGS, auch im späteren Verlauf möglich.
  • Plötzliche Bewusstlosigkeit
  • Gleichzeitig massive Anspannung der gesamten Muskulatur
  • Dabei Blauverfärbung der Lippen oder des Gesichts und Schrei bzw. Stöhnen
  • Anschließend rasch hinter einander folgende, dann heftigere, aber seltenere Zuckungen des ganzen Körpers
  • Schaum vor dem Mund, der bei einem Zungenbiss auch blutig sein kann
  • Einnässen oder Einkoten möglich
  • Danach extreme Erschöpfung und Müdigkeit, heftiger Muskelkater und/oder Kopfschmerzen

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