Nichtmedikamentöse Therapien

Neben dem Einsatz von Medikamenten gibt es Behandlungsverfahren, die alternativ oder unterstützend eingesetzt werden können. Aufgrund der schweren Behandelbarkeit des LGS wurden diese Möglichkeiten bereits früh und intensiv untersucht. Keine dieser genannten Möglichkeiten sind heute Behandlungsoptionen der ersten oder zweiten Wahl beim Lennox-Gastaut-Syndrom. Sie können im Einzelfall jedoch hilfreich sein. Hierzu zählen:

  • Ketogene Diät
  • Operative Verfahren
  • Vagusnervstimulation
  • Kurzfristige Behandlung mit Hormonen wie Glukokortikoiden (z. B. Prednison, Dexametason) oder Adrenokortikotropem Hormon (ACTH)

Ketogene Diät

 

Bei einigen Kindern ist eine ketogene Diät wirksam. Das Prinzip besteht darin, dass die Patienten hauptsächlich Fette zu sich nehmen, wie Butter oder Creme fraiche. Gemüse, Obst und andere Kohlenhydrate werden dagegen drastisch eingeschränkt. Dadurch verschiebt sich das Energiesubstrat-Gleichgewicht. Tatsächlich kann bei richtiger Durchführung etwa ein Drittel aller Patienten mit Epilepsien von einer ketogenen Diät profitieren. Bei Kindern mit Lennox-Gastaut-Syndrom liegt die Erfolgschance aber deutlich niedriger. Zudem ist es sehr schwierig, diese Diät auf Dauer einzuhalten. Dies ist jedoch Voraussetzung für den Therapieerfolg.

Aufgrund der möglichen Stoffwechselentgleisungen sollte eine ketogene Diät nur während einer Behandlung im Krankenhaus begonnen werden. Die Einhaltung der Diät erfordert engmaschige und regelmäßige Kontrollen durch den Arzt und Ernährungsberater. Eine ketogene Diät sollte bei Ansprechen der Epilepsie über Jahre konsequent fortgesetzt werden. Im Buchhandel sind bereits mehrere Rezeptbücher dazu erschienen. Diätassistentinnen in Kinderkrankenhäusern können auch oft Hinweise und Tipps liefern.

 

Operative Verfahren

 

Wenn trotz optimaler Wahl und Kombination der Medikamente keine befriedigende Anfallskontrolle erreicht wird und der Ursprung der Anfälle in einem sehr eng begrenzten Gebiet im Gehirn liegt, ist unter Umständen auch eine Operation möglich. Hierbei werden die Bereiche entfernt, die die epileptischen Anfälle auslösen. Im Vorfeld einer epilepsiechirurgischen Operation muss stets sorgfältig zwischen den zu erwartenden Chancen und Risiken abgewogen werden. Entsprechend ist auch die Lage des betroffenen Bereichs entscheidend. Die Frage einer epilepsiechirurgischen Therapiemöglichkeit sollte mit Experten besprochen werden.  

 

Bei Lennox-Gastaut-Syndrom sind jedoch meist mehrere Gebiete im Gehirn betroffen, sodass eine chirurgische Entfernung der Epilepsie-auslösenden Hirngebiete schwer möglich ist. Dennoch sollte diese Option überprüft werden. Besonders eine teilweise Trennung der beiden durch den so genannten Balken verbundenen Gehirnhälften voneinander kann die Häufigkeit von Sturzanfällen verringern. Dieses Verfahren wird Kallosotomie genannt, wird aber Deutschlandweit nur selten durchgeführt. Ob ein solcher Eingriff Erfolg haben kann und wie hoch die Risiken liegen, kann nur in spezialisierten (Kinder-) Epilepsiezentren nach entsprechender Diagnostik mit Video-EEG-Intensiv-Aufzeichnung abgeschätzt werden.

 

Vagusnervstimulation

 

Die Vagusnervstimulation ist ein relativ neues Behandlungsverfahren, das in Deutschland in einigen spezialisierten Epilepsiezentren angeboten wird. Ein Impulsgeber für einen bestimmten Nerv, den so genannten Vagusnerv wird operativ in Vollnarkose unter die Haut eingepflanzt und mit dem Vagusnerv verbunden. Damit kann die Anfallshäufigkeit bei Betroffenen mit Epilepsie reduziert werden.  

 

Für einen Einsatz speziell beim Lennox-Gastaut-Syndrom liegen jedoch noch keine verlässlichen Daten vor. Die Vagusnervstimulation kann die medikamentöse Behandlung nur ergänzen und nicht ersetzen. Als Nebenwirkungen werden z. B. Heiserkeit, eine Veränderung der Stimmhöhe, Kribbeln im Halsbereich, Husten, Schluckbeschwerden, Brust- oder Herzschmerzen, Atemprobleme, Kehlkopfdruck und Gewichtsabnahme berichtet. Leider lässt sich der Erfolg einer Vagusnervstimulation nicht vorhersagen. Zudem dauert es eine Weile, bis sich die maximale Wirksamkeit einstellt.

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